Plädoyer für mehr Wertschätzung und Umdenken.

19.08.2019,
von

Helmut Schwind 

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Ein Schlag ins Gesicht aller Reinigungskräfte

Sie seien entweder „unbezahlbar“, „unzuverlässig“ oder „wenig gründlich“, so der Einstieg ins das hochbrisante Thema Schwarzarbeit der Haushaltshilfen des Autors Felix Eick in der Zeitschrift Die Welt vom 21.07.2019. Das wundert mich nicht. Liest man den Text weiter, so handelt es sich hierbei ausnahmslos um ungelernte Putzhilfen, die ohne vertragliche Bindung arbeiten. Und die „unter der Hand“ weiterempfohlen werden: von Haushalten, die sich eine Haushaltshilfe leisten können, aber keine Lust haben, diese ordnungsgemäß anzumelden und abzusichern. Oder um Reinigungskräfte, die durch eine legale Beschäftigung eher Sanktionen fürchten als Belohnung erwarten. In jedem Fall muss in der Darstellung jedweder Thematik rund um Reinigungspersonal dringend mehr differenziert werden: zwischen ausgebildeten und legal arbeitenden Reinigungskräften und nicht ausgebildeten, schwarzarbeitenden Haushaltshilfen. Die aktuelle Diskussion ist ein Schlag ins Gesicht aller Reinigungskräfte – vor allem aber der legal beschäftigten, die einfach mit in die Schublade „unbezahlbar“, „unzuverlässig“ oder „wenig gründlich“ gesteckt werden.
Als Gründer des Reinigungsunternehmens HappyMaids, kenne ich sowohl die Perspektive der Reinigungskräfte wie auch der beauftragenden Haushalte. Deshalb möchte ich zu bislang in der öffentlichen Debatte zu kurz gekommenen Aspekten aus dem Blickwinkel beider Seiten argumentieren. Die nachfolgende Stellungnahme spiegelt zudem meine eigene persönliche Meinung als Arbeitgeber von Putzkräften sowie als Mann, der selbst regelmäßig Haushaltshilfen beschäftigt, wider.

Das Problem der Schwarzarbeit von Putzhilfen ist in erster Linie ein gesellschaftliches

Auch heute noch, erfahren Putzhilfen gesellschaftlich wenig Wertschätzung. Das klassische Dienstmädchenbild hat sich tapfer in den Köpfen der Menschen manifestiert. Ähnlich wie Müllmänner sind Putzhilfen hierzulande oftmals eben die, die Müll oder Dreck wegmachen. Nur mal so am Rande erwähnt: den Dreck, den ihre Auftraggeber vorher verursacht haben. „Auch die Umbenennung in Gebäudereiniger habe nichts gebracht“, so Ilene Hördt, Betriebsratsvorsitzende der Unternehmensgruppe Gegenbauer, einem Dienstleistungsunternehmen im Bereich Facilitymanagement und Gebäudemanagement, in einer Veröffentlichung der Stuttgarter Nachrichten. Und weiter: „Die wenigsten wissen, dass das ein Ausbildungsberuf ist … obwohl das Handwerk nun schon seit 78 Jahren Gebäudereinigung heißt, ist eine wirkliche Aufwertung des Berufsbilds bisher nicht eingetreten“.
Eine Putzhilfe illegal zu beschäftigen gilt in knapp 90 Prozent der Fälle als Kavaliersdelikt. Laut Statistik der Deutschen Wirtschaft waren 2017 88,5 % der Haushaltshilfen nicht angemeldet. Diese Zahl lässt sich nicht mit „Unzuverlässigkeit“ oder „mangelnder Gründlichkeit“ der Putzkräfte erklären. Hier handelt es sich um eine klare Abwertung einer wertvollen und wichtigen Tätigkeit: Die korrekte und regelmäßige Reinigung von Wohn- und Geschäftsräumen dient vor allem der Hygiene, der Vermeidung von Krankheiten und des gerade in gesellschaftlich höheren Schichten so hoch gepriesenen Wohlfühlfaktors. Denn natürlich hat eine schöne, saubere Umgebung auch Einfluss auf die Befindlichkeit.
Viele sprechen von ihrer Putzhilfe deshalb als einer „Perle“, einem Schmuckstück also, dass es gut zu bewahren und zu beschützen gilt. Zeit, genau das zu tun! Mit einer Anstellung.

Maids im Firmenwagen bei Kunde

Schwarzarbeit ist vor allem nachteilig für die Schwarzarbeiter

Das Schwert der Schwarzarbeit ist ein zweischneidiges: Nicht nur Haushalte wollen ihre Hilfen nicht anmelden. Auch viele Reinigungskräfte weigern sich mit Händen und Füßen angemeldet zu werden. Der Grund: Sie fürchten, von dem sowie sehr geringen Brutto bleibt kaum mehr Netto übrig. Oder die Arbeitslosenhilfe wird ihnen selbst durch den kleinsten Nebenjob drastisch gekürzt. Einen Nebenverdienst, den sie dringend brauchen, um mit Kindern und Familie in einer Stadt wie München nicht nur gut leben, sondern vor allem überleben zu können. Ein Lebensmittelpunkt außerhalb der Stadtgrenzen macht es für die meist weiblichen Schwarzarbeiter vielleicht günstiger, aber auch unmöglicher in Lohn und Brot einer der seriösen Agenturen zu kommen, die wiederum ihren Mittelpunkt in den Zentren der Großstädte haben müssen, um ausreichend Umsätze zu erwirtschaften.
Hohe Fahrtzeiten- und kosten sind mit Kind und Kegel schwer realisierbar. Ein Teufelskreis, der den Reinigungskräften durch mangelnden Versicherungsschutz, fehlende Rentenbeiträge und Null Absicherung im Falle von Arbeitslosigkeit langfristig schadet. Wie schlussendlich auch dem Steuerzahler: Denn früher oder später, fällt genau diese Art von Schwarzarbeit ja wieder auf unser Sozialsystem zurück. Und: Als ordentlich angestellte Arbeitskraft wäre auch Urlaub, also wertvolle Erholung von einem körperlich durchaus anstrengenden Job, mal wieder möglich: bei Lohnfortzahlung.
Haushalte, die sich für das Modell der Schwarzarbeit entschieden haben, profitieren vielleicht kurzfristig von geringeren Kosten und einer unbürokratischen Sauberkeit. Langfristig kann es „schmutzig“ werden: Durch mangelndes Know-how einer Reinigungskraft, die vielleicht oberflächlich hübsch reinigt aber eben nicht wirklich hygienisch sauber. Die nach einem Haushaltsunfall, der mangels Versicherungsschutzes vertuscht werden muss, ersatzlos ausfällt. Die mal kommt und mal nicht, weil es eben keine verpflichtende Verbindung gibt. Merken Sie etwas?
Eben dieses nicht geregelte Miteinander, derartig vertraglich nicht abgesicherte Arbeitsverhältnisse, führen genau zu den Vorurteilen, die es sich in unserer Gesellschaft sauber gemütlich gemacht haben: Putzhilfen sind entweder „unbezahlbar“, „unzuverlässig“ oder „wenig gründlich“. Ich denke: Politik und Gesellschaft müssen noch bessere Rahmenbedingungen für mehr Wertschätzung und Sicherheit schaffen.

Eine happy HappyMaid

Bürokratische Hürden sind nur ein Vorwand

Denn es hat sich ja bereits viel getan: Die Anmeldung für einen Minijob beispielsweise geht einfach und bequem vom Rechner aus. Einen Teil der Ausgaben erhalten Auftraggeber mit dem Lohnsteuerjahresausgleich wieder zurück. Und bei genauem Kostenvergleich, sind Agenturen meist nicht teurer als Schwarzarbeiter: Im Gegenteil: Denn sie bringen ja auch noch Know-how, eigene Arbeitsutensilien und den Versicherungsschutz (Im Krankheitsfall, bei einem Unfall und einem Schadenfall) mit. Praktisch: Ist eine Putzhilfe einmal krank oder im Urlaub, kommt ohne weiteren Aufwand für den Auftraggeber, ein Ersatz.
All diese Vorteile sind aber noch nicht zu den Menschen hierzulande durchgedrungen. Nicht zu den Reinigungskräften, die bevorzugt schwarzarbeiten. Und nicht zu Auftraggebern, die lieber schwarzarbeiten lassen. Daran ändern auch die gut die gemeinten und wirklich unterhaltsamen Werbeclips der Minijobzentrale nichts: Denn am Ende steht ja auch nur wieder die Putzhilfe doof da.

Jede Haushaltshilfe ist vor allem ein Ermöglicher/in

Mehr Wertschätzung, eine bessere Bezahlung und Absicherung fangen in unseren Köpfen an. Denn jeder Putzhilfe, ob im Familienhaushalt, im Single- oder Double-Income-No-Kids-Haushalt ist vor allem eine Ermöglicherin: Sie macht möglich, dass beide Elternteile sich gleichberechtigt Job und Karriere widmen können. Sie macht möglich, dass sich Menschen jederzeit auf ein gesundes und sauberes Zuhause verlassen können. Sie macht möglich, dass ein Großteil der Freizeit nicht dem Haushalt, sondern den Kindern, Hobbies, der Kultur und Weiterbildung oder der Gesundheitsprävention gewidmet werden kann.
Durch die Beschäftigung einer Putzhilfe gewinnen wir wertvolle Zeit. Die darf nicht nur ihren Preis haben. Sie muss.
Mehr Wertschätzung und kritisches Hinterfragen durch die Medien wäre ein guter Anfang
Aufgabe der Medien und des Journalismus ist es seit Jeher zur Meinungsbildung beizutragen. Vielleicht haben Sie erkannt, dass das es das Thema „Schwarzarbeit von Haushaltshilfen“ wert ist auch aus einer anderen Perspektive betrachtet zu werden: aus der gesellschaftlichen und der ethischen. Für ein Gespräch stehe ich gerne zur Verfügung.


Helmut Schwind
HappyMaids Deutschland
Lilienthalstr. 3
82178 Puchheim
089 84039565
h.schwind@happymaids.de


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