Weißes Gold: Vom Siegeszug des Klopapiers in Krisenzeiten

08.04.2020,
von

Helmut Schwind 

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Die Berliner Mauer ist als Symbol der Krise eines geteilten Deutschlands in die Geschichte eingegangen, die Amerikanische Freiheitsstaue als Symbol des Siegeszugs von Freiheit und Demokratie. Und das Symbol der weltweiten Corona-Krise im Jahr 2020 ist schon jetzt: Toilettenpapier. Zeit also, sich einmal der Geschichte des weißen Goldes zu widmen. Und der Frage, warum die Menschen derzeit weltweit saugstarke Papierrollen horten.


Clopapier und Corona: beides hat seinen Ursprung in China

Als die meisten Menschen in Europa sich nach ihrem „Geschäft“ noch mit Pflanzenwurzeln, Lumpen, Schwämmen, Stroh, Moos oder gar Federvieh säuberten, nutzten Chinesen bereits Papier. So wird auf Wikipedia der chinesische Gelehrte Yan Zhitui (531–591) aus dem Jahr 589 zitiert: „Ich würde es nie wagen, Papier mit Zitaten oder Kommentaren aus den Fünf Klassikern oder Namen von Weisen darauf für die Toilette zu verwenden.“ Ein weiteres Zitat der Web-Enzyklopädie unterstreicht die Annahme, dass die Chinesen uns die Papierrolle nicht nach-, sondern vorgemacht haben: So schrieb laut Wikipedia ein Reisender im Jahr 851: „Sie (die Chinesen) sind nicht sehr sorgfältig mit Sauberkeit, und sie waschen sich nicht mit Wasser, wenn sie ihr Geschäft erledigt haben, sondern wischen sich nur mit Papier ab.“ Und so scheint es wie eine Ironie des Schicksals, dass das Symbol der Covid19-Virus-Pandemie, genau in dem Land seinen Ursprung hat, wie das Virus selbst: in China.

Stoffabfälle und Zeitungspapier: die Vorläufer der weißen Rolle

Ab dem 16. Jahrhundert dienten in Europa Stoff-Abfälle getragener Kleidungsstücke und minderwertige Papiere der Reinigung des Allerwertesten. Dabei spielte der soziale Stand eine besondere Rolle: Wohlhabende nutzten qualitativ hochwertigere Stoffreste bis hin zum feinen Wollstöffchen oder gar zur Seide. Sozial schwache Schichten nutzten zwar ebenfalls Stoffstreifen abgetragener Kleider zur Säuberung nach dem Latrinengang. Diese waren aber qualitativ sehr grob verarbeitet und von minderer Qualität. Erst mit der industriellen Papierherstellung im 19. Jahrhundert wurde Zeitungspapier zum Vorläufer des Toilettenpapiers. Die Etablierung des Wasserklosetts Ende des 19.  Jahrhunderts schließlich erforderte die Entwicklung eines speziellen Papiers, das die Wasserrohre nicht verstopfte. Genau dies gelang dem Amerikaner Joseph Gayetty. 1857 verfeinerte der Erfinder des Toilettenpapiers kleine Papiertücher mit Aloe-Extrakten zur Säuberung des Allerwertesten.

Auf die Rolle gekommen: von Krepp bis mehrlagig

Die Idee, Toilettenpapier auf eine Rolle zu wickeln, entstand in Großbritannien: Die Firma Scott Paper Company erfand 1890 die Klopapierrolle. Das erste Toilettenpapier made in Germany wurde 1928 aus rauem Krepp in Ludwigsburg von Hans Klenk produziert. Der Name seiner Firma: Hakle. Bis heute produziert Hakle Toilettenpapier in unterschiedlichen Papierqualitäten – von weichem Tissue-Papier über mehrlagige Varianten bis hin zum feuchten Toilettenpapier.

Hakle Website

Soweit so gut: Und dann kam Corona

Obwohl hierzulande eine Klopapier-Knappheit historisch bis heute nicht zu belegen ist: In den ersten Wochen der Corona-Krise war das weiße Gold meist ausverkauft. Leere Regale in den Drogeriemärkten und Discountern waren das Ergebnis panischer Hamsterkäufe. Befeuert von Bildern und Memes auf den sozialen Medien wurde die Klopapier-Rolle zum Symbol der Krise – weltweit. Wer hätte das gedacht? Die Japaner. Dort gab es nämlich bereits 1973 eine „Toilettenpapier-Panik“. Grund dafür war die Ölkrise. Die Japaner fürchteten dadurch auch eine Verknappung des wertvollen Papiers.

Selber schuld? Haben die sozialen Medien die Papier-Panik befeuert?

Die Gründe für die Hamsterkäufe in der aktuellen Krise werden derzeit noch diskutiert. In einem Artikel der Frankfurter Rundschau vom 18.03.2020 wird die Furcht der Menschen vor Ekel und dem damit verbundene Wunsch zur absoluten Hygiene als eine Ursache genannt. Auch könne eine Angst vor dem Kontrollverlust zum Run auf die Rollen geführt haben.
Im Moment jedenfalls sind die Regale prall gefüllt. Und wer weiß: Vielleicht haben wir ja selbst einen Mangel geschürt, den es gar nicht gab: mit Bildern von leeren Regalen via WhatsApp und auf Facebook, Instagram & Co. , mit Momentaufnahmen von kurzen Zeiten, in denen Klopapier-Ebbe herrschte. Haben am Ende nur Bilder dafür gesorgt, dass wir plötzlich von der Rolle waren? Nur so ein Gedanke.

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